allnatura Klartext Oktober 2010 - Oeko-Tex Standard 100



Oeko-Tex® Standard 100 - was steckt dahinter?


Oeko-Tex® Standard 100 - das Siegel unter dem Motto "Textiles Vertrauen" ist uns allen bekannt und suggeriert dem Verbraucher die Sicherheit, ein ökologisch sinnvolles Produkt zu kaufen.

Wir möchten diesen Standard deshalb für Sie etwas näher beleuchten, sodass Sie Ihre Kauf-Entscheidung nicht nur aufgrund eines bekannten Labels fällen, sondern wissen, was dahinter steht.


Was versteht man unter dem Oeko-Tex® Standard 100 eigentlich genau?


Öko-Tex-Logo Beim Oeko-Tex® Standard 100 handelt es sich um ein einheitliches Prüf- und Zertifizierungssystem der "Internationalen Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie", das alle Verarbeitungsstufen für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte umfasst.

Der Oeko-Tex® Standard 100 ist hierbei wohl das heute bekannteste Label dieser Art. Jeder von uns hat dieses nebenstehende Logo irgendwo schon einmal gesehen.

Oeko-Tex® hat hierbei vier Produktklassen etabliert, denen die erfolgreich überprüften Textilprodukte zugeordnet werden können. Hierbei spielt die Intensität des Hautkontakts mit dem Produkt eine große Rolle.

Hier die vier Produktklassen des Oeko-Tex® Standard 100:
  • Produktklasse I - Babyartikel
  • Produktklasse II - Artikel mit lang andauerndem oder großflächigem Hautkontakt
  • Produktklasse III - Oberbekleidung
  • Produktklasse IV - Ausstattungsmaterialien


Folgende Parameter sind Teil des Oeko-Tex®-Kriterienkatalogs:


Margerite
  • Verbotene AZO-Farbmittel
  • Krebsauslösende und allergieauslösende Farbstoffe
  • Formaldehyd
  • Pestizide
  • Chlorierte Phenole und chlororganische Carrier
  • Extrahierbare Schwermetalle
  • Farbechtheit
  • pH-Wert
  • Phthalate in Babyartikeln
  • Zinnorganische Verbindungen, etc.


Wie wird sichergestellt, dass die Prüf-Parameter eingehalten werden?


Oeko-Tex® hat ein großes Netz an Prüf- und Forschungsinstituten in Europa und Japan und vielen Kontaktbüros in über 40 Ländern aufgebaut - so ist ein weltweit vernetztes Kontrollsystem mit autorisierten Instituten entstanden, welches laufend die Einhaltung der Kriterien überprüft. Geprüft wird entweder durch Testkäufe von Produkten, die im Handel angeboten werden oder durch unangemeldete Stichproben in den zertifizierten Unternehmen.


Wie sind die Prüfkriterien des Oeko-Tex® Standard 100 zu bewerten?


Foto vom Ökotex-Label Gerade aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades des Oeko-Tex® Standard 100 und dem hohen Vertrauen, das die Verbraucher diesem Label entgegenbringen, ist das Label Oeko-Tex® Standard 100 kritisch zu betrachten. Wie Sie in der oben stehenden Abbildung des Oeko-Tex® Standard 100 Labels sehen können, wird deutlich mit dem Wort "Vertrauen" geworben und durch die Gestaltung die Verbundenheit mit der Natur betont.

Der Begriff "Öko" impliziert aber beim ökologisch orientierten Endverbraucher grundlegende Positionen, wie ökologischer Landbau ohne den Einsatz von beispielsweise Pestiziden, keine Genmanipulationen, sogenannte "Biologische Baumwolle", faire Arbeitsbedingungen bei Erzeugern und Herstellern, keinerlei Kinderarbeit und vieles mehr. Alle diese für den Öko-Kunden wichtigen Grundlagen spielen beim Oeko-Tex®-Standard eine eher untergeordnete Rolle. Sogar Textilien aus Kunstfasern wie Polyester können das Siegel des Oeko-Tex® Standard 100 erhalten, wie man auf diesem Foto deutlich sehen kann.

Der ökologisch orientierte Verbraucher fühlt sich jedoch mit dem Slogan "Textiles Vertrauen" fälschlicherweise in der Gewissheit, ein Produkt zu kaufen, das seinen hohen Ansprüchen und Wertvorstellungen genügt. Denn er wird in den seltensten Fällen die einzelnen Prüfungskriterien und Grenzwerte nachlesen - und wenn doch, fehlt ihm wohl oft das Fachwissen, das ihm eine Einschätzung der Zahlen ermöglicht.


Gegenüberstellung der Grenzwerte von QUL / IVN / Oeko-Tex®


Verwendet man den Begriff "schadstoffgeprüft", dann sagt dieses nichts über die Menge der in einem Produkt enthaltenen Schadstoffe aus. Es können letztendlich die unterschiedlichsten Schadstoffe wie die verschiedensten Schwermetalle, Pestizide, auch Formaldehyd und Chlorbleiche in den Textilien vorhanden sein. Deshalb sollte man ein Prüfsiegel genau unter die Lupe nehmen, bevor man ihm vertraut.

Die Prüfsiegel des QUL (Qualitätsverband Umweltverträglicher Latexmatratzen) und des IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) ziehen bei der Bewertung eines Produktes oft strengere Grenzwerte und weitere (ökologisch wichtige) Kriterien heran als der Oeko-Tex®-Standard 100. Im Folgenden haben wir Ihnen eine tabellarische Gegenüberstellung der Grenzwerte von Oeko-Tex® Standard 100, QUL und IVN zusammengestellt, sodass Sie die Möglichkeit haben, sachlich und objektiv zu entscheiden, indem Sie ganz einfach die Kriterien der verschiedenen Label vergleichen. (Die Gegenüberstellung ist exemplarisch für gefärbte Materialien mit Hautkontakt.)

Grenzwerte QUL, IVN, Ökotex Stand 04/2009 - alle Angaben ohne Gewähr.

Bitte beachten Sie auch den nachfolgenden Link zu Wikipedia: Öko-Tex-Wikipedia Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass wir nicht Urheber dieses Textes sind und somit für den Textinhalt nicht haften.

Des Weiteren könnte für Sie die Website "Label Online" - betrieben von der Verbraucher Initiative e.V., dem Bundesverband kritischer Verbraucherinnen und Verbraucher - interessant sein. Hier wird beispielsweise Oeko-Tex® Standard 100 als eingeschränkt empfehlenswert eingestuft, die beiden oben genannten Labels "QUL" und "IVN" dagegen als empfehlenswert.


Oeko-Tex® Standard 100 am Beispiel von Baumwolltextilien


Ein weiterer Kritikpunkt am Label Oeko-Tex® Standard 100 ist, dass die Schadstoff-Prüfung lediglich am fertigen Produkt erfolgt und so die Erzeugung der Materialen, die Herstellung des Produkts, die Arbeitsbedingungen bei der Fertigung sowie das ökologische Umfeld beim Produzieren nicht einbezogen wird. Dies sind aber für den Öko-Käufer wichtige Aspekte für die Kaufentscheidung. Um Ihnen den Ablauf zu verdeutlichen, haben wir die Herstellung von Baumwoll-Textilien einmal genauer beleuchtet.

Herkömmliche Baumwolle, die heutzutage größtenteils aus genmanipulierten Sorten besteht, wird bis zu ihrer Ernte etwa 20 mal mit Pestiziden behandelt.

Sobald die Ernte beendet ist, wird die Baumwolle gereinigt - dies geschieht zum Teil in Reinigungsanlagen, die mit chemischen Reinigungssubstanzen betrieben werden.

Auch bei den folgenden Stufen der Verarbeitung und Veredelung werden Chemikalien in Form von Farbstoffen und sogenannten "Textilhilfsmitteln" eingesetzt.

Erst am Ende dieser Produktionskette wird das Produkt von Oeko-Tex® geprüft - die vorangegangenen Reinigungsvorgänge und ein durchdachtes Arrangement des Produktionsablaufs stellt sicher, dass das Endprodukt lediglich 5-10% der anfänglichen Rückstände an Chemikalien aufweist und so die Prüfungskriterien von Oeko-Tex® einhält.

Die oftmals erhebliche Abwasserbelastung und Vergiftung des Bodens sowie auftretende Schadstoffe in der Luft bleiben Außen vor. Auch Kinderarbeit und Lohnsklaverei, die es in hohem Maße in Asien - insbesondere China - gibt, bleiben unberücksichtigt. All diese wichtigen Punkte für eine Kaufentscheidung aufgrund einer "Öko-Label"-Zertifizierung, fließen nicht in die Bewertung von Oeko-Tex® Standard 100 ein.


Schadstoff-Prüfungen von allnatura-Produkten


Unser Lieferant von Moltonauflagen und Bettwäsche mit Sitz in Süddeutschland ist Mitglied beim IVN und unsere Lieferanten von Matratzenkernen sowie unsere Partnerpolsterei in Süddeutschland sind Mitglied bei QUL. Des Weiteren werden unsere Produkte vom Bremer Umweltinstitut regelmäßig auf Schadstoffe geprüft und das gemäß der Richtlinien von QUL, IVN und "natureplus".


Unser Fazit


Vertrauen Sie nicht blind jedem Label eines Prüfungsinstitutes. Auch bei bekannten Labeln - wie dem des Oeko-Tex® Standard 100 - sollten Sie durchaus kritisch sein und genau prüfen, ob das Siegel die gleichen hohen Anforderungen an ein Produkt stellt wie Sie.


Bildnachweis:
Original-Foto "Margerite": Hengl, "Margerite in der Dämmerung"
Quelle: www.piqs.de


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