Kühlschrank für Kleinbauern

Unter einem Kühlschrank stellen wir uns wohl alle dieses Gerät vor, das in jeder Küche ganz selbstverständlich zu finden ist. Öffnet man die Tür dieses hilfreichen Schrankes, dann blicken uns genauso selbstverständlich allerlei Leckereien entgegen. Immer noch Frisch wie von der Ladentheke und meist liegt nicht nur eine Tomate im Kühlschrank, sondern eine ganze Schachtel. So sieht es aus, in den Industriestaaten dieser Welt.
Uns ist es ein Leichtes unser Obst und Gemüse über einen längeren Zeitraum aufzubewahren. Ganz anders sieht es bei den Bauern der Entwicklungsländer aus, denn diese können von so etwas alltäglichem wie einem Kühlschrank nur träumen. Was also tun mit den geernteten Lebensmitteln? Diese Frage beantwortet ein neues Projekt namens „Wakati“.

„Wakati“ ist das ostafrikanische Wort für Zeit und somit eine Erfindung, die ihrem Namen alle Ehre macht. Denn die Entwicklung des belgischen Designers Arne Pauwels, die die Form eines Mini-Zelts besitzt, ist nichts anderes als ein Kühlschrank für Kleinbauern.

Für die Landwirte in den Entwicklungsländern stellt die Kühlung der Ernte ein großes Problem dar, da meist keinerlei Stromversorgung vorhanden ist. Der Verlust von geernteten Lebensmitteln ist demnach sehr hoch und kann kaum verhindert werden.

Wusstet Ihr, dass 45% der in Entwicklungsländern produzierten Lebensmittel verdirbt, bevor sie überhaupt auf den Markt kommen können?

Die einzige Lösung, auf die die Bauern derzeit zurückgreifen können, nennt sich „Zero Energy Cool Chambers – kurz ZECC“. Mithilfe einfacher Materialien wie Ziegel, Sand und Bambus wird ein Behältnis, besser gesagt eine Schutzmauer, zur Lagerung frischer Lebensmittel erbaut. In dieser Kammer können Obst und Gemüse gekühlt werden. Das große Problem dieser Technik: Die gelagerten Lebensmittel müssen hierbei regelmäßig bewässert werden, was zu einem Wasserverbrauch von 700 Liter pro Woche führt!

Genau diese Problematik soll mit dem Kühlschrank für Kleinbauern behoben werden. Das Kühl-Zelt, mit einem durchschnittlichen Wasserverbrauch von einem halben Liter pro Woche, besteht aus einem Gestell, einer Plane und Reißverschlüssen. Durch ein Solarpanel mit drei Watt Leistung wird ein kleiner Ventilator angetrieben, wodurch Wasser verteilt wird. So kann innerhalb des kühlen Zelts ein Mikroklima entstehen, das die Pflanzenzellen intakt hält. Bis zu 150 Kilo Obst und Gemüse können so über ca. 10 Tage wie in einem Kühlschrank aufbewahrt werden, ohne dass es verkommt.

100 Kühl-Zelte haben es bereits in verschiedene Länder geschafft unter anderem nach Afghanistan, Haiti und Uganda. Dort tragen sie nun dazu bei, den Verlust an Nahrungsmitteln zu verringern. Jedoch kostet ein Zelt derzeit noch 100 Dollar, was für einen Landwirt in Entwicklungsländern eine enorme Investition bedeutet. Somit ist das Solarzelt noch ein Projekt, das vor allem durch die Unterstützung von Entwicklungshilfeorganisationen den Weg an seinen Bestimmungsort findet.

Hoffen wir, dass auch das Kühl-Zelt eines Tages genauso selbstverständlich auf dem Grundstück des Landwirts steht, wie der Kühlschrank in unserer Küche.

 

Quelle: Wirtschaftswoche – Green

 

 

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