Start-ups weltweit haben dieselbe Idee: 3D-Druck mit Plastikmüll

Warst Du nicht auch schon genervt, weil Du wegen eines kleinen Ersatzteils in den weit entfernten Baumarkt fahren musstest und dann auch noch ewig an der Kasse gewartet hast?

Durch 3D-Drucker soll dieses Szenario bald der Vergangenheit angehören. Schließlich kann ein 3D-Drucker das Ersatzteil ganz einfach ausdrucken – allerdings aus neuwertigem Plastik und das ist wenig umweltfreundlich.

Aber jetzt wurden Verfahren entwickelt, um den “Faden” (Filament) für den 3D-Druck aus Plastikmüll herzustellen. Zum Beispiel mit dem von Joshua Pearce entwickelten Recyclebot. Er stellt die Baupläne sogar jedem als  Open Source Projekt zur Verfügung. Der heimische Plastikmüll muss zuerst gründlich gesäubert werden, damit das Plastik so rein wie möglich ist. Es wird in Teile geschnitten und in einem Schredder weiter zerkleinert. Dann erhitzt das Gerät das Plastik und “spinnt” daraus einheitliche Fäden, die als Druckmaterial verwendet werden.

Ein genialer Rohstoffkreislauf!

Die Möglichkeiten dieser Entwicklung sind enorm. Schon bald könnte überall auf der Welt Plastikmüll gesammelt werden, um neue Produkte zu schaffen. Und innovative Startups treiben die Idee noch voran:

Plastic Bank

Das kanadische Startup Plastic Bank will mit der „Social Plastic™ Initiative“ gleich zwei weltweite Probleme bekämpfen: Armut und Umweltverschmutzung.

Weil sich die meisten armen Länder keine Müllabfuhr leisten können, verschmutzt der Müll die Straßen oder wird einfach ins Meer oder in Flüsse gekippt. Aber für die Herstellung immer neuen Plastiks werden wertvolle Ressourcen und viel Energie benötigt und es gibt weltweit sehr viel ungenutzten Plastikmüll. Dies brachte die Gründer der Plastic Bank auf die Idee, dass Plastik für alle Menschen auf der Welt zu wertvoll werden soll, um die Umwelt damit zu verschmutzen. Denn wer Plastikmüll an den Abgabestellen der Plastic Bank eintauscht, verdient daran. Man kann dafür entweder Geld oder Haushaltsgeräte wie Geschirr oder Eimer aus dem gesammelten Plastik zurückbekommen. Schon bald sollen die ersten Abgabestellen und “Druck-Kioske” in Peru und Kolumbien eröffnet werden. Weltweit sollen weitere folgen.

Außerdem will die Plastic Bank die Verbraucher sensibilisieren, “Social Plastic™”-Produkte zu kaufen. Und Unternehmen sollen so dazu animiert werden, ihre Produkte aus Social Plastic™ herzustellen. Macht mit und unterschreibt die Petition, damit es schon bald mehr Produkte aus Social Plasticgibt.

Übrigens wurde Plastic Bank 2013 mit dem RCBC Innovation Award ausgezeichnet. Und der Gründer der Plastic Bank, David Katz, wurde 2013 zum “EO Global Citizen of the Year” ernannt.

Protoprint

Protoprint aus Pune in Indien verfolgt dasselbe Ziel: Armutsbekämpfung durch 3D-Druck. 2013 begann eine Zusammenarbeit mit der lokalen Müllsammel-Initiative SWaCH.

Die Müllsammler sammeln HDPE-Abfälle (zum Beispiel Wasser- oder Shampoo-Flaschen, Zahnpasta-Tuben etc.) und bringen diese zu “Filament Laboren”, die in der Nähe der Müllhalden aufgebaut wurden. Protoprint bringt in diesen “Laboren” Müllsammlern bei, aus dem Plastikmüll 3D-Druck-Fäden herzustellen. Protoprint verkauft diese dann weltweit über ihren Onlineshop. Laut Protoprint bekommen die Müllsammler ein faires, regelmäßiges Einkommen.

Ethical Filament Foundation

Die Ethical Filament Foundation wurde in Kooperation mit Dreambox Emergence und der Michigan Technological University gegründet. Sie entwickelt eine Art “Fair-Trade-Siegel” und die entsprechende Zertifizierung für die Filament-Produktion. Joshua Pearce (genau, der Erfinder des Recyclebot) hat mit einigen Kollegen der Michigan Technological University Beurteilungskriterien für technische und ethische Standards für die Herstellung der Druckfäden erstellt. Schließlich sollen die fair gehandelten und ethisch unbedenklichen Filaments von höchster Qualität sein, um die teuren 3D-Drucker nicht zu beschädigen.

Die Initiative möchte den 15 Millionen Müllsammlern in Entwicklungsländern ein faires und sicheres Einkommen gewährleisten und gleichzeitig weltweit den Plastikmüll und dessen Umwelteinfluss reduzieren. Und Recycling ist einer der billigsten und schnellsten Wege, um die Treibhausgas-Emissionen zu vermindern.

Protoprint ist der erste durch die Ethical Filament Foundation zertifizierte Hersteller!